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Montag, 4. Mai 2020

der schleichende Patschen...

Es kommt immer wieder vor, dass ein Reifen Luft verliert, man findet aber keine definierte Austrittsstelle. Bei Schlauchreifen ist die Sache umso problematischer, da ein Loch schwer zu finden ist, eine Reparatur der Reifen ziemlich aufwändig ist und auch nicht immer zum gewünschten Ergebnis führt. Sehr oft bedeuted ein Druckverlust im Schlachreifen auch das Ende und der Reifen wandert in den Mistkübel. Als Freund historischer Rennräder will ich aber die Substanz weitgehend erhalten. Als ich letztens wieder einen "Schleichpatschen" hatte, griff ich zu einem alten Hausmittel. Ich nahm ein wenig Milch, verrührte die Milch mit Zucker und füllte sie über eine alte Fahrradpumpe in den Reifen. Und siehe da- wie in alten Zeiten funktionierte die Sache: der Reifen hält auch nach einer Woche den vollen Reifendruck und das Ventil ist nicht verklebt. 



Freitag, 1. Juni 2018

Pedersen

Pedersens sind kuriose Fahrräder. Die Konstruktion wurde 1890 vom Dänen Mikael Pedersen entworfen und 3 Jahre später in England zum Patent angemeldet. Mikael Pedersen war mit dem Sitzkomfort damaliger Fahrräder nicht zufrieden und entwickelte daher einen eigenen geflochtenen Sattel, der wie eine Hängematte aufgehängt wurde. Um diesen Sattel, der seitlich schwingt, baute er den Rahmen nur aus Dreiecken. Mit minimalem Gewicht erreichte er dadurch eine extrem hohe Stabilität. Die Abspannung vom Sattel zum hinteren Ausfallende erfolgt heute mittels eines Drahtseils, früher wurden hierzu lange Speichen verwendet. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts baute Mikael Pedersen ein Pedersen mit einem Gewicht von 5,1 kg. Perdesen Fahrräder haben eine sehr aufwändigen Rahmen und sind daher teuer als "normale" Fahrräder. Sie werden seit Anfang der 1980er Jahre wieder in Kleinserie gebaut und kosten neu je nach Ausstattung zwischen 2000,- und 4000,- Euro. Ich war längere Zeit auf der Suche nach so einem Fahrrad, bis ich eines in Wien entdeckte. Das Rad war in einem relativ schlechtem Zustand und nicht fahrbereit. Es stand jahrelang in einem Keller, hatte ein wenig Rost angesetzt und ein stark verformtes Hinterrad. Ansonsten bot eine eine gute Restaurationsbasis. Zuerst wurde das Rad einmal komplett zerlegt. Es war durchwegs mit preiswerten Komponenten ausgestattet. Zudem dürfte es irgendwann mal lackiert worden sein. Der Lack war typisch 90er Jahre: anthtrazit metallic mit Glitzereffekt. Beim Abschleifen der Roststellen kam darunter weisser Lack hervor. 

in diesem Zustand wurde das Pedersen vor zwei Jahren übernommen
Da der Lack offenbar nicht mehr dem Originalzustand entsprach, entschied ich mich für eine komplette Neulackierung. Wenn man schon ein auffälliges Rad hat, dann darf es auch eine lustige Lackierung haben. Also wurden unterschiedliche Farben eingekauft und das Rad so bunt wie möglich gestrichen. Ein Hippie Rad darf als auch wirklich aussehen wie ein Hippie Rad. Zudem wurden neue Komponenten verbaut: anstatt der schweren Laufräder mit 7-Gang- Innenschaltung kamen leichter Laufräder mit 6-fach-Kranz zum Einsatz. Die Schaltung ist von Deore, die Kurbelgarnitur wahrscheinlich eine Shimano 600. Auch Bremsen und Lenker wurden durch modernere und hochwertigere Teile ersetzt, zudem wurde der Sattel mit Lederfett behandelt und alles nue verspannt.

Das Pedersen während der Aufbauphase. Bremsen, Kette und Verseilung fehlen noch.

Montag, 28. November 2016

Pedersen

Seit heute gibt es ein neues Pferd im Stall: ein Pedersen, das von Grund auf restauriert werden muss:


Mittwoch, 26. Oktober 2016

Wiener Fahrradschau

Die 1. Wiener Fahrradschau war für unsere ganze Familie ein Erlebnis. Zahlreiche Stände von Fahrradherstellern, Händlern und Dienstleistern rund ums Fahrrad liessen das Radlerherz höher schlagen. Zudem wurden zahlereiche Aktivitäten angeboten. Man konnte am Slow-Riding-Wettbewerb teilnehmen, beim Bike-Polo zusehen,...
Mein persönliches Highlight war eine kleine aber feine Ausstellung zum Thema "Wiener Mechanikerräder". Fahrräder von RIH, Select und DUSIKA waren ausgestellt, darunter auch ein ganz besonderes Bahnrad, das bei Steherrennen verwendet wurde.
















Donnerstag, 29. September 2016

Puch Bergmeister

Aussehen tut es schon wie ein richtiges Radl, bremsen tut es auch schon, nur fahren, das kann es noch nicht. Das Bergmeister ist nun komplett. Alle Teile bis auf die Schaltseile sind beisammen. Gerade bei den Kleinteilen war es ein wenig schwierig, alles zu finden. Der Zustand hier entspricht weitgehend dem Originalzustand Anfang der 70er Jahre. 28mm Weisswandreifen, Alufelgen, Hochflanschnaben, Alu-Rennlenker mit Vorbau und der unbequeme Plastiksitz. Hier werde ich wahrscheinlich einen moderne Rennsattel montieren. Abweichend vom Originalzustand ist die hintere Bremse: hier wurde auf die Mittelzugbremse verzichtet und die Bremsleistung deutlich erhöht. Auch die schwarze Sattelstütze ist nicht original, ebenso die Pedale. Rennpedale sind zwar vorhanden, da ich das Rad aber als Alltagsrad einsetzten will, habe ich "normale" Pedal montiert. Probleme gibt's noch mit der Schaltung: die Schaltseile haben Walzennippel und sind aber stark verschlissen. Hier muss ich wahrscheinlich auf die Suche gehen, um brauchbare Seile zu finden. Die Kette wird zum Schluss montiert, ebenso wie die schwarzen Schutzbleche, für die ich noch Streben suche. 

Ob ich noch eine Gepäckträger montieren werde, da bin ich mir nicht sicher, auf die Lichtanlage verzichte ich, die hat beim dem Rad nie gut funktioniert, jedes Batterielicht ist besser.

Bergmeister ist ein sehr optimistischer Name für das Rad: es hat sicher mehr als 12kg und ist mit einer Kettenblattgarnitur mit 47/52 Zähnen nicht wirklich für's Bergfahren geeignet.




Montag, 26. September 2016

Nervar Stahlkurbel + Maillard Atom 4-fach

In meinem Teilelager gibt es wieder zwei aktuelle Neuzugänge: eine Nervar Stahlkrubel mit Kettenblättern 52/47 sowie einen Maillard Atom 4-fach (!) Kranz mit der Abstufung 14-16-18-20. Also nix für's Bergradl, dafür eine Freude am Retro - Radl. Die Kurbel kommt auf's Bergmeister, der Kranz ist für's Cinelli Riviera reserviert.



Montag, 4. Juli 2016

Neues Pferd im Stall, Koga Miyata ?

Seit heute gibt es wieder ein neues Pferd im Stall, bzw. einen neue Baustelle. Laut Vorbesitzer handelt es sich um ein Koga Miyata. Ich kann es leider nicht 100%ig nachvollziehen, da ich nirgendwo eine Gravur oder einen Aufkleber gefunden habe, der darauf hindeutet. Der Rahmen macht allerdings einen sehr hochwertigen Eindruck. Der Rahmen hat schöne Muffen, Anlötteile für Rahmenschalthebel, Seilführung und Flaschenkorb. Dieser sitzt bemerkenswerterweise sehr weit oben am Unterrohr. Auch ein Gegenhalter für die Rahmenpumpe ist vorhanden. Die Gabel ist aerodynamisch geformt, der Bowdenzug für die Hinterbremse verläuft im Oberrohr. Also allesamt ein sehr schicker Rahmen, wie er in den 80ern sehr verbreitet war. Auch die Ausstattung ist nobel: grossteils Shimano 600 Arabesque, lediglich das hintere Schaltwerk ist aus der Silver-Arrow-Gruppe. Das hintere Laufrad macht einen sehr guten Eindruck, während das Vorderrad eher was für den Mistkübel ist. Aber Gott sei Dank habe ich da Ersatz.
Das Rad wird in den nächsten Tagen zerlegt und dann werd ich mal schauen, was ich mache. Da die Lackierung am Rahmen nicht besonders gut erhalten ist und auch kein Chrom sichtbar ist, denke ich an eine individuelle Lackierung in knallbunten Farben. 






Samstag, 18. Juni 2016

Politur

Es gibt Dinge, die sollte man nicht für möglich halten. Eine verchromte Gabel mit massivem Rostanflug erstahlt nach nur 5 Minuten in neuem Glanz. Nein, das ist nicht der Werbspruch eines Jahrmarktschreiers - es funktioniert wirklich. Die Gabel wurde vorher mit Geschirrspülmittel und einem Schwamm gut abgeschrubbt, dann kam die Geheimwaffe zum Einsatz: 10 Jahre alte Modpedpolitur aus Indonesien (mit Inhaltsstoffen, die bei uns wahrscheinlich schon seit Jahrunderten verboten sind). Eingecremt und ordentlich poliert - nach zwei Polierdurchgängen schaut es so aus, wie auf den Bildern.


10 Jahre alte Mopedpolitur aus Indonesien

Gabel mit mattem Chrom und massivem Flugrost

...nach 5 Minuten Polierarbeit....

Freitag, 17. Juni 2016

Die Presse muss her!

Der Rahmen vom Puch Bergmeister war nun fast fertig. Klarlack wurde aufgetragen, um die originale Lackierung und die Rahmenaufkleber zu konservieren. Dabei fiel mir allerdings auf, dass die Gabel leicht gestaucht war. Es war nicht viel, aber immerhin so viel, dass man es mit freiem Auge sah. Bei Stahlrahmen sind minimale Stauchungen kein grosses Problem. Die Gabel wurde in die Hydraulikpresse gelegt und die paar Millimeter wieder zurechtgebogen. Der Rahmen entspricht nun von den Maßen her dem Originalrahmen und kann ab jetzt wieder bestückt werden.Auf dem Bild wird auch die Farbe des Rahmens sehr gut wiedergegeben. Puch Bergmeister gab es in zwei Farben: eben dieses Karminrot-Metallic und dann noch ein Gold-Metallic, jeweils mit schwarzen Muffen.


Der Rahmen ist nun fertig für den Neuaufbau.

Samstag, 11. Juni 2016

Lissi Schuster

Eine weitere Baustelle wartet. Ein "Lissi Schuster" war mir bis jetzt unbekannt und auf den ersten Blick sieht die Gurke nicht besonders elegant aus. Es war eine Zeit lang stillgelegt und soll jetzt wieder zu neuem Leben erweckt werden. Was auf den ersten Blick wie ein gemütliches Tourenrad aussieht, hat bei näherem Hinsehen ein paar sportliche Gene. Schuster ist ein Sportgeschäft in bayern und ließin den 80ern Rahmen in Italien fertigen. Dieser hier stammt offenbar von Vetta in Padua. Er ist sehr schön verarbeitet, die Verchromung der Gabel ist nicht mehr ganz so toll. Mit geradem Lenker, Seitenständer, Schutzblechen und Gepäckträger sieht das Rad nicht besonders schnittig aus, ich werde mich aber in den nächsten Wochen darum kümmern, dass das Fahrrad wieder als Rennrad aufgebaut wird.


Dienstag, 7. Juni 2016

Scheunenfund Puch Bergmeister

Ein klassischer Scheunenfund hat bei mir Einzug gefunden: gestern holte ich ein rotes Puch Bergmeister aus den frühen 70ern aus Schärding. Das Rad ist nicht fahrbereit, teilweise stark verbastelt, ist aber eine gute Restaurationsbasis. Ein paar Bilder vom Rohzustand, bevor das Rad skelettiert wird:

so bekam ich das Rad
Stahlkurbeln Nervar mit wechselbaren Kettenblättern 52/45
Hinterrad mit defektem Freilauf
Weinmann Vainqueur 999 Mittelzugbremse



Schaltung Shimano Positron (nicht original)
Schaltung Shimano Positron (nicht original)

Donnerstag, 2. Juni 2016

Cinelli Riviera

Seit 01.06.2016 ist das Cinelli Riviera wieder fahrbereit. Das Rad stand mehrere Jahre in halb zerlegtem Zustand im Keller meines Vaters. Nach und nach besorgte ich Teile im Internet, um das Rad wieder halbwegs in den Originalzustand zu versetzen. 
Dabei musste ich allerdings einige Kompromisse eingehen: der Rahmen wurde bereits 1988 neu lackiert, die originalen Aufkleber sind daher nicht mehr vorhanden. In den Jahren 1988 bis 2016 war das Rad mit modernen Cinelli Aufklebern bestückt, erst vor eingien Jahren bekam ich ältere Aufkleber aus Australien. Einige Teile, die überlackiert wurden (z.B. verchromte Sattelklemme) wurden wieder freigelegt. Das Emblem am Steuerrohr wurde aufgeklebt, nach passenden Schrauben suche ich noch. Tretlager und Steuersatz sind auch nach mehr als 50 Jahren noch im Originalzustand und laufen wie am ersten Tag (das ist eben Campagnolo). 
Der originale Ideale-Sattel inkl. Sattelstütze ist leider nicht mehr vorhanden, stattdessen ist ein Brooks-Vollledersattel auf einer Patentsattelstütze montiert. Campagnolo Gran Sport Kurbeln und Capagnolo Gran Sport Schaltung sind nicht original, stammen aber aus der Herstellungszeit.
Einen Tribut an die moderne Zeit bilden Lenker, Bremsen und Laufräder. Hier wurde aus Komfort und Sicherheit Wert gelegt. Die originalen Weinmann-Mittelzugbremsen erwiesen sich als zu weich. Speziell am Hinterrad konnte ich kaum Bremskraft aufbringen, was auch an der gekrümmten Zugverlegung lag. Ich habe daher moderne Shimano-Bremsen montiert, die auch bei dem sehr langen Bremsmaß ordentlich zupacken. Die Laufräder (inkl. Zahnkranz) habe ich 1987 selbst eingespeicht und bin damit auch über die Alpen gefahren. Sie wurden nur einem kleinen Service unterzogen (neue Reifen, Nachspannen einiger Speichen) und laufen perfekt.
Zusätzlich wurden neue Schutzbleche montiert, damit das Fahrrad eine gewisse Alltagstauglichkeit erhält. Das Rad war ursprünglich nicht als reines Rennrad ausgelegt, sondern eher als sportliches Tourenrad. Diesen Charakter will ich auch in Zukunft erhalten. 
Für manchen Liebhaber von Fahrrädern im Originalzustand mag diese Restaurierung vielleicht ein Kompromiss sein, aneren mögen vielleicht von "Verbasteln" sprechen. Für mich entspricht der Zustand aber eher dem Charakter des Fahrrads: das Rad hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Es wurden damit Touren gefahren, Trainingsfahrten absolviert und auch zwei kleinere Rennen gefahren. Es wurde früher schon immer wieder dem jeweiligen Zwecke angepasst und mehrmals umgebaut. Und das soll auch für die Zukunft so bleiben: ein Cinelli Riviera im praktischen Einsatz, nicht als Wanddekoration.